Chaos in Kampala

Kampala war unser erster Stop in Uganda und liegt natürlich auch schon  dementsprechend lang zurück. Dennoch möchte ich gern ein paar Worte über diesen Ort verlieren, denn ich glaube tatsächlich, dass mich noch niemals irgendeine Stadt so sehr überfordert hat 😀 Als wir in Kampala ankamen, standen wir mit großen Augen da und wussten nicht, wo wir zuerst hingucken sollten. Dachten wir doch zuerst, dass der Verkehr in Mombasa und Nairobi ein Alptraum sei, haben wir uns nach Ankunft in Kampala gewundert, wieso wie wir den Verkehr beider kenianischer Städte als so extrem empfunden haben. Denn in Ugandas Hauptstadt kam das Verkehrschaos auf ein ganz neues Level. Man muss es sich in etwa so vorstellen: alles, was fahren, laufen oder rollen kann, nimmt gleichzeitig am Straßenverkehr teil. So teilen sich Autos, Busse, Matatus, Fahrräder, Motorräder, Fußgänger, Esel, die Karren ziehen, Menschen, die Karren ziehen und zwischendrin ein paar Straßenhunde die Fahrbahn, die ursprünglich einspurig in jede Richtung ausgelegt ist. Das interessiert aber niemanden weiter, denn wenn nötig wird die Fahrbahn auch auf drei oder vier Spuren genutzt und wo kein Platz ist, wird eben Platz gemacht. So schlängeln sich vor allem die Motorradfahrer durch jede noch so kleine Lücke der anderen Verkehrsteilnehmer. Besonders interessant wurde es dann, als wir vor unserer Weiterfahrt nach Tansania noch einmal nach Kampala kamen und mit unseren – mittlerweile prall gefüllten – Backpacks auf den Boda Bodas durch die halbe Stadt fahren mussten. Das ein oder andere Mal hatte ich vor allem ziemliche Angst um meine Knie, so dicht, wie wir überall vorbeiheizten.

Kampalas Innenstadt ist also tatsächlich ein ziemliches Erlebnis. Verkehrsregeln scheinen non-existent und falls es sie doch gibt, interessieren sie zumindest niemanden, ebenso wie die Tatsache, ob ein Gefährt verkehrstüchtig ist oder nicht, solange die Hupe funktioniert, ist alles da, was man braucht. Demnach heizen die Fahrer einfach durch die Stadt und dabei wird man umhüllt von einem einzigartigen Klangkonzert, denn jeder versucht sich durch sein Gehupe Platz und Gehör zu verschaffen. Dort standen wir nun also, mitten im Chaos, zwischen all diesen Autos, Bussen, Matatus, Fahrrädern, Motorrädern, Fußgängern, Eseln, die Karren ziehen, Menschen, die Karren ziehen und zwischendrin ein paar Straßenhunden. Alles war unglaublich hektisch und schnelllebig, so war alleine das Straße überqueren ein ziemliches Erlebnis. Die ersten Male hat es demnach auch eine ganze Weile gedauert, bis wir uns getraut haben, uns irgendwo zwischen all den Gefährten hindurchzuschlängeln. Nachdem wir aber einige Zeit in der Stadt verbracht und uns ein wenig an den Wahnsinn gewöhnt hatten, wurde auch das einfacher und – ohne Rücksicht auf Verluste – haben wir die Straßen so überqueren können, wie es uns passte.

Neben all dem Verkehr werden die Straßen gesäumt von fliegenden Händlern, die alle Waren feilbieten, die man sich nur vorstellen kann – Obst und Gemüse, Simkarten, Schmuck, Gebäck, Toilettenpapier, Accessoires und Second-hand Kleidung. Und für uns war es nahezu unmöglich, an auch nur einem der Stände vorbeizugehen, ohne uns die Auslage dessen anzusehen. „Mzungu, Mzungu, look here!“ Denn auch in Kampala, bzw in Uganda generell sind wir als Weiße erheblich aufgefallen. Zwischen all dem Verkehr und den Straßenständen befinden sich eindrucksvolle Hindu-Tempel, Moscheen und Kathedralen, die die Vielfalt der Stadt und des Landes widerspiegeln. So haben wir uns sowohl einen Hindu-Tempel, als auch eine Kathedrale angeschaut (nach unserer Pleite in Nairobi haben wir die Moscheen dieses Mal ausgelassen 😀 ).

Und obwohl in Kampala sich die Welt ein wenig anders dreht und obwohl mich all das Chaos und die Hektik ganz schön überfordert haben, hat es mich auch gleichermaßen beeindruckt und ich hatte mich dann doch recht schnell daran gewöhnt. Leider hatten wir nur 2 Tage in der Stadt, bevor wir weitergezogen sind, aber auf eine bestimmte Art und Weise finde ich Kampala großartig und kann mir durchaus vorstellen, nochmal wiederzukommen.

Unser Couchsurfing-Host hat uns den größten Slum Kampalas gezeigt und uns herumgeführt. Bin ich doch aus südafrikanischen Townships einiges gewöhnt, war der Slum in jedem Fall eine andere Welt. So befindet sich die Siedlung im Grunde genommen mitten in der Stadt, und die Unterschiede zur Nachbarsiedlung könnten größer nicht sein. Und doch war ich – wie jedes Mal – schwer beeindruckt von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen, die wir dort getroffen haben.

Zusammenfassend bleibt mir also nichts anderes zu sagen, als dass Kampala in jedem Fall eine Reise wert ist und ich denke, beim nächsten Mal würde ich mit Sicherheit längerbleiben, um mich vollständig auf das „Abenteuer Kampala“ einlassen zu können. 

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