Rwanda – Das Land der 1000 Hügel 

Die letzten zwei Wochen war ich in Rwanda unterwegs und bin hellauf begeistert von diesem kleinen Fleckchen Erde.

Was ich vor meiner Afrikareise über Rwanda wusste:

  1. In Rwanda gibt es keine Plastiktüten, wodurch das gesamte Land sehr sauber ist
  2. Rwanda ist bekannt als „Das Land der 1.000 Hügel
  3. Das Land wurde 1994 vom Genozid schwer getroffen, bei dem ein großer Teil der Bevölkerung abgeschlachtet wurde
  4. Französisch war sehr lange Zeit Amtssprache, weshalb ich mich schon ein wenig vor der Kommunikation gefürchtet habe.

Was ich mittlerweile über Rwanda weiß und was man wissen sollte:

  1. Plastiktüten sind in jedem Fall ein Thema für sich und offiziell sind sie tatsächlich verboten. Das führte dazu, dass wir am Grenzübergang in Gatuna tatsächlich von der Polizei aufgefordert sind, unsere Rucksäcke zu öffnen, sodass die Polizistin durch unser gesamtes Gepäck wühlen konnte und jede einzelne Plastiktüte konfiszieren konnte. Das war besonders schön hinsichtlich unserer Dreckwäsche und Schuhe, die nicht sonderlich förderlich waren zur Gesamtsauberkeit der Rucksäcke. Unabhängig davon habe ich mittlerweile ein sehr gutes System entwickelt, meinen Rucksack so zu packen, dass ich alles verstauen kann, die Tasche aber trotzdem nicht allzu voll wirkt. Nachdem die nette Dame aber meine gesamte Unterwäsche rausgerupft hatte und diese vor den Augen der halben Bevölkerung Rwandas auf dem Tisch ausgebreitet hatte, um nach weiteren Plastiktüten zu suchen, gestaltete sich das Wiedereinpacken als ganz schön schwierig. Überraschenderweise gab es im Land selbst dann doch die eine oder andere Plastiktüte. Zwar werden im Regelfall die Einkäufe, sowie Essen von Straßenständen in Papiertüten gepackt, aber das ein oder andere Mal sind wir doch auf die Benutzung von Plastiktütchen gestoßen, vor allem, wenn die Händler Essen an den Straßen verkauft haben. Wider Erwarten war dies genau in Gisakura der Fall, dem Dörfchen neben dem Nyungwe Rainforest. Direkt am Regenwald hätte ich tatsächlich als allerletzten erwartet, auf Plastik zu treffen. Generell muss man natürlich sagen, dass es unglaublich sinnvoll ist, Plastik zu verbieten, vor allem, weil sich dieses Verbot auf nahezu jedem Schritt wiederzuspiegeln scheint, denn ich habe selten so eine saubere Landschaft und vor allem so saubere Städte gesehen wie in Rwanda. Da können selbst wir als Europäer eine Scheibe abschneiden. Außerdem wird darüber hinaus sehr viel Wert auf Sauberkeit gelegt, denn es werden Unmengen an Jobs dadurch geschaffen, Leute einzustellen, um Müll von den Straßen aufzusammeln. Wenn das nicht zwei Fliegen mit einer Klappe sind, weiß ich auch nicht…
  2. Ich glaube mittlerweile, dass Rwanda eher das Land der 1001 Hügel ist, denn ja, es ist tatsächlich sehr hügelig. Das macht die Landschaft zwar zu einem absoluten Traum, die Busfahrten hingegen zu einem ziemlichen Alptraum, denn das Gekurve um die 1000 Hügel herum hat uns doch hin und wieder ganz schön auf den Magen geschlagen. Vor allem dadurch, dass es die Fahrer selten interessiert hat, wie kurvig die Straßen sind, so ging es im Zweifelsfall auch mal mit 120 km/h durch 40 er-Zonen und überholt wurde eh immer, unabhängig davon, ob man den Gegenverkehr sehen konnte oder nicht. Das ein oder andere Mal wurde uns also ganz schön mulmig zumute, z.B. in dem Moment, als wir einem Motorrad-Fahrer wirklich nicht mehr ausweichen konnten, und einen ziemlich lauten Knaller vernommen haben. Der Gute ist aber – offenbar unbeschädigt – weiter gefahren, wenn auch mit einem Spiegel weniger. Nichtsdestotrotz ist, wie gesagt, die Landschaft ein absoluter Traum, an der ich mich nur sehr schwer sattsehen konnte.
  3. Ja, der Genozid von 1994 hat das Land und seine Bevölkerung zweifelsohne sehr stark getroffen. Die „100 Tage des Grauens“ werden durch unzählige Memorials repräsentiert und in Kigali werden sie im Genozid-Museum Schritt für Schritt aufgearbeitet. So war das Museum natürlich auch für mich ein Must-See auf der Reise. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist, wie stark sich das Land in den letzten 22 Jahren von diesem unvorstellbaren Rückschlag erholt hat. Heute denkt man nicht mehr in den Stämmen Hutu und Tutsi, stattdessen sieht sich das Volk als eine Nation an. „Wir sind Ruander“, hieß es immer wieder. Auch wirtschaftlich scheint sich dieses kleine Land unheimlich schnell erholt zu haben. Im Gegensatz und im Vergleich zu vielen anderen (ost)afrikanischen Ländern, wirkt das Land, sowie seine Bevölkerung, recht wohlhabend. Es gibt im Grunde genommen keine Slums und man sieht sehr wenig Armut, vor allem im direkten Vergleich zu anderen Ländern. Die meisten Häuser sind groß, einladend und stabil, Blechhütten oder ähnliches hat man tatsächlich sehr wenig gesehen. Das gilt selbst für kleine, abgelegene Dörfchen. In Kigali allerdings habe ich eine große Schar an Straßenkindern gesehen, wo natürlich mein Thakaneng-Herz direkt einen Satz gemacht hat, sodass ich sie gern alle eingesammelt hätte. Aber wie mir vor Augen geführt wurde, scheint sich die Polizei recht gut um dieses Problem zu kümmern und versucht, die Kinder von der Straße zu holen.
  4. Ja, Französisch war tatsächlich lange Zeit Amtssprache, was allerdings nicht heißt, dass tatsächlich jeder Französisch spricht. Gerade die Jugend spricht mittlerweile besser Englisch und auch die Älteren sprechen eher Kinyarwanda. Die Kommunikation war dadurch nicht immer ganz einfach. Mit Französisch kommt man prinzipiell zwar recht gut zurecht, ich mit meinem Französisch jedoch eher weniger 😉 Vor allem nicht in heiklen Momenten, wenn der Bankautomat eine Kreditkarte verschluckt und wir an einem Samstagnachmittag verzweifelt versuchen, wieder an die Karte zu kommen. Aber in der Not frisst der Zweifel halt doch Fliegen, sodass wir doch irgendwie mit den Einheimischen kommunizieren konnten. Was mich allerdings, trotz augenscheinlichem „Wohlstand“ des Landes überrascht hat, ist die Tatsache, dass – egal ob jung oder alt – vor allem ein Satz tief im Wortschatz verankert zu sein scheint: „Give me money!“ An nahezu jeder Ecke wurde uns die Aufforderung nach Geld zugerufen. Wie ein Einheimischer allerdings später erklärt hat, ist die Auffassung „Weiß = reich“ etwas, was ihnen quasi schon in der Schule beigebracht wird.
  5. Der Fortschritt, der sich vor allem in der Ordnung des Landes zeigt, fällt an jeder Ecke auf. Hier wird also Motorrad mit nur einem Passagier gefahren und es besteht tatsächlich eine Helmpflicht. Die Busse werden – im Gegensatz zu fast überall anders – nicht bis zum Anschlag vollgestopft und sobald jeder Sitz besetzt ist, ist der Bus voll und bereit zur Abfahrt. Tickets werden maschinell erstellt und sogar mit dem Namen des Reisenden versehen und in Kigali braucht man zum Bus fahren sogar eine wiederaufladbare Karte  (ähnlich wie die Oyster Card in London), die beim Einsteigen vor ein Kartenlesegerät gehalten wird. Ich muss zugeben, dass ich nichts von alledem wirklich erwartet hätte, und es gerade deshalb mir so stark bewusst geworden ist.
  6. Feiern gehen in Rwanda ist etwas, was ich in der Form auch noch nicht erlebt habe. In Kigali sind wir in einen Club gegangen, in der Hoffnung, tanzen und trinken zu können. Trinken hat geklappt, tanzen eher weniger. Das hat eine Gruppe von Möchtegern-Profis übernommen, die auf der Bühne umhergehüpft sind, allerdings sehr unsynchron. Richtig interessant wurde es dann, als sie auch noch anfingen Playback zu „singen“, und auch das eher schlecht als recht. Ich habe mich trotzdem ganz wunderbar unterhalten gefühlt und habe gut gelacht. In der Hoffnung, in Huye dann noch einmal feiern zu gehen, vor allem, da Huye eine Studentenstadt ist, trat auch hier wieder nur ein Künstler auf, um das Publikum zu entertainen. Es war halt wirklich mal was anderes, aber lustig war es allemal. Außerdem bekamen wir dann letztlich in Gisenyi  (an der Grenze zur DRC) mehrfach die Chance, noch ein paar Mal tanzen zu gehen, mit ein paar Einheimischen, die wir vor Ort kennengelernt haben.
  7. Die Gastfreundschaft der Ruander ist enorm – viele, die wir flüchtig kennengelernt haben, haben uns direkt zu sich eingeladen oder haben uns geholfen, Märkte zu finden, die wir allein sicherlich nicht gefunden hätten. So fanden wir uns an einem unserer letzten Abende in Rwanda bei einem Bekannten im Wohnzimmer wieder, haben afrikanischen Tee getrunken und „Gorillas im Nebel“ geschaut.
  8. A propos Gorillas im Nebel: auf die Gorillas im Land ist man unheimlich stolz, was in erster Linie natürlich auf Dian Fossey und ihre Forschungen an den Gorillas in den Virunga Volcanoes zurückzuführen ist. So sieht man an jeder Ecke Gorilla-Guesthouses, Gorilla-Figuren oder Gorilla-Souvenirs. Aber gut, zugegeben, es sind fantastische Tiere und wer wäre nicht stolz darauf, sie in seinem Land zu haben? 🙂
  9. Generell ist Rwanda ein wirklich schönes Land, in dem ich mich sehr wohl und sehr sicher gefühlt habe. Die Einheimischen sind herzlich, offen und hilfsbereit trotz eventueller Sprachbarriere. Wir haben viel gesehen und erlebt, trotz der Regenzeit, die uns hin- und wieder einen Strich durch die Rechnung zu machen versucht hat. Dennoch waren wir wandern, haben uns am See entspannt, waren auf einer Bootstour auf dem Lake Kivu, haben uns geschichtlich sowie kulturell belehren lassen und hatten eine tolle Zeit in einem wirklich tollen Land, dessen Besuch sich in jedem Fall lohnt.
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