Von Eseln mit Kreditkarten und ganz viel Regen

Vor schon wieder viel zu vielen Wochen, hatte ich mir Anfang Februar mal wieder ein langes Wochenende verdient. Das lange Wochenende hatte ich mir vor allem deshalb genommen, um noch einen gemeinsamen Urlaub mit Potch’s Best Person zu verbringen, bevor er die Weiterreise angetreten hat.
Nach einigem Hin und Her ging es dann letztlich für Jay und mich für ein paar Tage in Botswanas Hauptstadt Gaborone. Als ich Feierabend hatte, wurde schnell unser gemieteter Hyundai gepackt und auf ging es ins Abenteuer – denn wir waren, wohl oder übel, dazu gezwungen, auf ein Navi zu verzichten und nach Karte und immer der Nase nach zu fahren.

Jay hat sich als Kartenleser bedeutend besser gemacht als erwartet, sodass die ersten 200 Kilometer bis zur Grenze absolut kein Problem darstellten.
Der Grenzübergang gestaltete sich dann mal wieder sehr afrikanisch und dementsprechend interessant. Die Zollbeamtin war mit meinem Viusm ein wenig überfordert und meinte, man hätte bei meiner Einreise in Südafrika einen Fehler gemacht, weil mein Visum ja für viel länger ausgestellt sei als für die regulären 90 Tage. Der Versuch einer Erklärung, dass ich ein einjähriges Visum habe und als Voluntärin arbeite, hat bei ihr lediglich große Fragezeichen ins Gesicht gezaubert. Auch ihr Vorgesetzter, den sie dannzu Rate gezogen hat, war keine große Hilfe. Als ich ihm dann noch einmal explizit die Seite mit meinem Visum im Reisepass gezeigt habe, ging ihm ein kleines Licht auf, zeitgleich gab er dann aber auch zu: „Das les ich mir nie durch“ – ja, das ist natürlich besonders clever! Wäre ja doch irgendwie zu empfehlen, sich das mal genauer anzuschauen, statt mir einen Todesschrecken einzujagen!
Ein weiterer Schrecken wurde uns eingejagt, als wir mit unserem Mietauto am Zoll vorbeigefahren sind, die plötzlich irgendeinen Wisch von der Autovermietung haben wollten, dass es uns mit dem Auto gestattet ist, nach Botswana einzureisen – wir hatten so einen Zettel natürlich noch nie gesehen. Tja, blöd gelaufen, aber mit dem Ausspielen der Volunteerkarte und dass wir das ja nicht wussten, durften wir dann, samt Auto, einreisen.
Jetzt musste also erstmal ein ganzes Stück Weg zurückgelegt werden, bis wir in Gaborone ankommen sollten. Mit ganz viel Gesprächsstoff heizten wir also mitten durchs Nirgendwo. Irgendwann wurde ich dann als alleinige Fahrerin doch ein wenig müde und ich dachte, dass ich schon anfangen würde, zu halluzinieren, weil ich auf einmal vier Esel sah, die vor uns die Straße kreuzten. Als Jay aber aus voller Kehle mich zum Anhalten aufforderte, wurde mir bewusst, dass die Esel keine Einbildung waren und ich bin voll in die Eisen getreten, da ich ungern bei der Autovermietung melden wollte, dass ich mitten in Botswana eine Eselfamilie gerammt habe, die, zu allem Überfluss, auch noch fein säuberlich einen Zebrastreifen überquert haben, was wahrlich das Witzigste an der Geschichte war.
Nach stundenlanger Fahrt waren wir dann doch endlich froh, in unserem Bettpacker anzukommen.

Am nächsten Morgen erwachten wir leider nicht bei strahlendem Sonnenschein, stattdessen hatte sich der Wettergott sich dazu entschieden, es Bindfäden regnen zu lassen. Das sollte unserer Stimung natürlich keinen Abbruch tun, sodass wir uns zunächst dazu entschlossen, von unserem etwas außerhalb gelegenen Backpacker in Richtung Centrum zu fahren, um zunächst einmal Geld abzuheben (jetzt brauchten wir keine Rand mehr, sondern Pula), zu frühstücken und um uns in der Stadt umzusehen. Recht schnell hatten wir eine Mall gefunden, wo wir uns auf die Suche nach Bankautomaten begaben.
Uns ist dann jedoch zunächst einmal das Herz in die Hose gerutscht, als der Bankautomat Jays Karte gefressen hat und stehen geblieben ist – okay, was tun!? Es saß zwar eine Securitydame direkt hinter uns, die war jedoch auch ziemlich ratlos und hat blind auf die Tasten eingehauen, in der Hoffnung, irgendetwas bewirken zu können. Nach unzähligen Minuten des Wartens hat der ATM dann die Karte ausgespuckt und hat den nächsten Kunden höflichst aufgefordert „Please insert your card“ – dass ich nicht dieser nächste Kunde sein würde, versteht sich wohl von selbst.
Wir haben dann also versucht, einen anderen Automaten zu finden, an dem ich dann zuerst mein Glück versucht habe und siehe da, meine Pula kamen, wie sie kommen sollten.
Jay war an diesem Tag offenbar von jeglichem Glück verlassen und als er Geld abheben wollte, blieb seine Karte leider ein zweites Mal stecken und der Bankautomat ist stehen geblieben. Wir waren irgendwie gefangen zwischen Lachen und Heulen…
Da der Automat gerade aufgefüllt wurde, haben wir munter gegen die Tür gehämmert und versucht, seine Kreditkarte irgendwie wiederzubekommen… Es hat einiges an Diskussionen, Nerven und Auseinandersetzungen gekostet, aber letztlich haben die Herrschaften der Bank seinen deutschen Ausweis als Dokument akzeptiert, das ihn als Halter der Karte bestätigt hat.
Von Bankgeschäften und Securitymenschen hatten wir für die nächsten Tage erst einmal die Schnauze voll.

Da es an diesem, und auch an den nächsten Tagen die meiste Zeit ziemlich heftig geregnet hat, und Gaborone auch irgendwie nicht so wirklich viel zu bieten hatte, haben wir den Großteil der wertvollen, gemeinsamen Zeit auf der Terrasse unserer Blockhütte im Backpacker verbracht. Der Backpacker war sehr naturbelassen und ein einziger Traum, weshalb es uns auch gar nicht gestört hat, nicht viel von dort wegzukommen.
Wir haben die Zeit vor allem dazu genutzt, uns zu unterhalten und zu reden – über Gott und die Welt, über unsere Zeit hier in Südafrika, über Höhen und Tiefen…

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Am Samstag (wo es ausnahmsweise mal nicht geregnet hat) sind wir noch auf einen kleinen Game Drive gegangen, in einem Nature Reserve, in dem es angeblich Nashörner und Leoparden geben soll. Von denen haben wir nicht wirklich viel mitbekommen, uns sind, wie so häufig, nur jegliche Arten von Böcken vor die Linse gesprungen, sowie Zebras und Giraffen. Das Besondere waren aber vor allem die anderen Teilnehmer des Game Drives – ein paar ca. 15-jährige Mädels, die das, was um sie herumgeschehen ist, weniger interessant fanden und vielmehr mit ihren Handys und iPads beschäftigt waren, auf denen sie Spiele gespielt und mit denen sie Selbstportraits gemacht haben. Vor allem Jay hat sich einen Spaß daraus gemacht, sich mit in den Bildern zu positionieren.
Die Mädels waren davon sogar so angetan, dass sie hinterher sogar noch ein gemeinsames Foto mit uns machen wollten 😉

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Auch wenn der Kurzurlaub vielleicht nicht nach dem spekatakulärsten Erlebnis klingt, haben wir zum einen jetzt einen Botswana-Stempel im Pass und zum anderen haben wir die gemeinsame Zeit einfach nch sehr genießen können und der Abschied fiel dadurch vielleicht ein kleines bisschen leichter…

 

 

 

 

 

 

 

 

Randnotizen: (um eine Tradition von Jays Blog weiterzuführen :))

– „Wer Abschied nimmt, hat sich im Herzen der Bleibenden schon einen Platz reserviert.“

– „Man kann zu niemandem zu 100 % ehrlich sein, weil man noch nicht einmal zu sich selbst ganz ehrlich ist.“

– „Äpfel sind kein Wackelpudding“.

– Das Zusammenleben der Deutschen im Abraham Kriel Kinderheim könnte auch als „Doku-Soap“ auf RTL 2 unter dem Titel „Potch – Tag und Nacht“ laufen.

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Eine Antwort zu Von Eseln mit Kreditkarten und ganz viel Regen

  1. Jay schreibt:

    großes Danke für den Shoutout 😀
    War auf jeden Fall ein aufschlussreicher Urlaub und „auch Esel benutzen Zebrastreifen“

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